Kriterien einer Getreidemühle für den Haushalt

Die beste Getreidemühle gibt es nicht.


Eine kleine Mühlenkunde

Mahlsteine:

Die meisten Hersteller verwenden Mahlsteine aus Korund (Korund-Keramik, Korund in Keramikmasse gebunden), weil sie extrem hart, langlebig und relativ unempfindlich sind. Ein sogenannter Korundstein ist ein hoch verdichteter und sehr heiß gebrannter Kunststein, der sich bewährt hat (seit 1985 und mittlerweile in fast allen Steinmühlen). Beim Brennen entstehen winzig kleine Bläschen, die den Stein porös (nicht brüchig!) machen. Dadurch bleibt die Oberfläche dieses Kunststeine immer rauh und somit "geschärft". Nur wenige verwenden den Naxosbasalt-Magnesit-Stein (Kunststein aus Naxosbasalt in Magnesitbindung gegossen), vornehmlich in handbetriebenen Getreidemühlen. Als einziger Hersteller bisher (Stand 2017) verbaut AGRISAN seinen einzigartigen Granit Naturstein aus Überzeugung.

Mahlstein der hawos Haushaltsgetreidemühle Oktagon 1 Mahlstein aus Korund-Keramik

Mahlsteingröße:

Die Größe des Mahlsteins einer Getreidemühle ist nicht unbedingt entscheidend für die Mehlfeinheit. Die Kunst des Mühlenbaus besteht in der Präzision der Mahlsteine, der möglichst perfekten Paralellität der Steine zueinander und der optimalen Profilierung (Oberflächengestaltung bzw. -form).

Mahlkammer:

Kunststoff oder Holz? Diese Frage ist für manchen wichtig, der sich mit Schwingungen und Aufladungen von Stoffen beschäftigt. Da das gemahlene Mehl durch die Mahlkammer gewirbelt wird, bevor es ausgeworfen wird, könnte es sich in einer Mahlkammer aus Kunststoff evtl. statisch aufladen. Auch ein gewisser Abrieb, wenn auch kaum meßbar, kann ein Argument gegen Kunststoff sein. Jedoch die meisten Hersteller bevorzugen wohl aus Kostengründen Kunststoff außer AGRISAN und teilweise Waldner Biotech.

Mahlkammer aus Holz bei der Salzburger Getreidemühle CarinaHolzmahlkammer bei Carina

Gehäuse:
Weder Form noch Material des Gehäuses nehmen Einfluß auf die Mahlqualität, sofern sie nicht direkt mit mit der Mahlwerkskonstruktion in Verbindung stehen.
Holzart:

Die Auswahl der Holzart ist Geschmacksache. Überwiegend kommen Harthölzer, meist Buche, zum Einsatz, weil sie stabil und recht feinporig sind. Waldner verwendet auch Zirbenholz (Zirbelkiefer = Weichholz), weil es milbenabweisend sein soll. Im Laufe der Jahre verliert sich aber die milbenabweisende Wirkung des Zirbenholzes. Auch Erle (Modellbauholz) kommt vereinzelt zum Einsatz, z.B. bei der Waldner Getreidemühle Single, wohl zum einen, weil es ein Modeholz (vor 20 Jahren) mit optischem Reiz ist, zum anderen, weil es wegen seiner formstabilen Eigenschaften kaum auf Klimaschwankungen (Luftfeuchtigkeit) reagiert. Nußbaum oder Kirsche gibt es oft als Luxusausführungen von Standardmodellen.

Holz für Getreidemühlen Getreidemühlen überwiegend aus Hartholz

Oberfläche:

Öberflächenmaterialien wie Hartöle, Hartwachse, Naturöle sind bedingt dauerhaft. Bei zu häufigem feuchten Reinigen kann es nötig werden, das Gehäuse der Getreidemühle nachzuölen oder nachzuwachsen, um die Brillance der Öberfläche wieder herzustellen. Öle und Wachse sind transpirierend und kommen so den Holzeigenschaften entgegen. Das Holz kann atmen, reagiert aber auch sensibler auf Klimaschwankungen. Holzlasuren sind ebenfalls atmungsaktiv, bieten aber mehr Oberflächenschutz, weil Sie eine hauchdünne abriebstabilere Schicht bilden. Wasserlacke bieten den dauerhaftesten Schutz und sind am pflegeleichtesten, weil sie eine dicke, stabile und sehr glatte Schicht bilden. Sie sind wenig bis gar nicht atmungsaktiv. Man könnte es als Vorteil sehen, daß das darunterliegende Holz nicht so schnell auf Klimaschwankungen im Wohnbereich reagiert.

Bienenwachs und Naturöle für die Oberflächen von Getreidemühlen Oberflächen meist aus modifiziertem Bienenwachs oder Naturölen

Reinigung:

In der Regel ist eine Reinigung der Getreidemühle und der Mahlkammer nur selten nötig. Es könnte aber vorkommen, daß Ihr Mahlgut zu feucht war und deshalb die Mahlsteine verschmiert sind und einen Auswurf des Mehles verhindern. Werden stärker ölhaltige Getreidearten wie Roggen, Hafer oder Gerste pur auf feinster Stufe gemahlen, können ebenfalls Verklebungen verursacht werden durch austretendes Öl. Jetzt brauchen Sie nicht gleich die Mühle zerlegen, sondern versuchen mit trockenem Naturreis (kein paraboiled Tütenreis!) auf mittelgrober bis gröbster Einstellung zu mahlen. Bei gröberen Einstellungen entstehen höhere Vibrationen, die die Mahlkammer sauberrütteln. Die trockenen Reiskörner wirken dabei wie Schleifpapier.

Verklebte Mahlsteine am besten mit Naturreis reinigen. Mahlkammer mit Naturreis reinigen
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Mehlfeinheit:

Die Mehlfeinheit wird in der Regel durch eine Siebprobe angegeben nach DIN 10765. Hierbei sollten 80 % des Mahlgutes durch die Maschen des feinen Siebes durchfallen, Maschenweite 0,3 mm. Das schaffen alle Mühlen mit einem der drei (Naxosbasalt in Magnesitbindung, Granit und Korund-Keramik ) beschriebenen Mahlsteine problemlos. Die meisten von ihnen mahlen viel feiner. Allerdings ist die Siebprobe insoweit problematisch, als es immer auf die jeweilige Getreidesorte ankommt, mit der gemessen wird. Mit Dinkel ist es immer sehr leicht, fein zu mahlen, weshalb auf Messen gerne mit Dinkel vorgeführt wird. Dann gibt es sehr unterschiedliche Weizensorten, und je nach Sorte ist das Mahlgut körniger oder samtiger.

Feines Vollkornmehl mit Haushaltsgetreidemühlen Fein genug für Kuchen und Torten

Mahlleistung:

Am Wert für die Mahlleistung "fein" sehen Sie, wieviel Mehl auf der feinsten Einstellung gemahlen werden kann, aber nicht, wie fein das Mehl gemahlen wird. Dieser Wert allein sagt also relativ wenig aus. Lassen Sie sich nicht irritieren von irgendwelchen Leistungsformeln, die nichts oder relativ wenig über die Mehlfeinheit aussagen! Dem Wert für die Mahlleistung "grob" können Sie auch nicht viel entnehmen. Auf gröbster Einstellung fallen die Körner oft ungemahlen wieder heraus.

Mahltempo hat nichts mit Mahlfeinheit zu tun.Schneller ist nicht gleich feiner.
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Motorleistung:

Wenn Sie harte Körner wie Mais und Kichererbsen oder kiloweise Getreide mahlen wollen, empfehlen wir Getreidemühlen ab 200g/min bzw. mit starken Motoren ab 600 Watt Leistungsaufnahme. Für Vielmahler wie Bäcker und Vollwertgroßküchen gibt es gewerbliche Mühlen, die extra auf Dauerbelastung ausgelegt sind und meistens auch mit Starkstrom angetrieben werden. Zum Brotbacken im familiären Bereich sind 100g/min.-Mühlen vollkommen ausreichend. Sie mahlen genauso fein wie die stärkeren Mühlen.

Stärkere Getreidemühlen mahlen nicht feiner. Särker ist nicht gleich besser!
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Lautstärke:

Leider sind die Angaben in dB(A) nicht sehr aussagekräftig, da kein Hersteller angibt, mit welchem Mahlgut der Wert erzielt worden ist und nach welcher Norm. Die Lautstärke hängt von der Mühlenkonstruktion, dem Gewicht und der Härte des Mahlgutes ab.

Elektrische Getreidemühlen machen viel Lärm. Leider sind Elektromühlen alle laut.
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Ölsaaten:

Ölsaaten können mit Korundsteinen bedingt gemahlen werden. Je feiner die Einstellung, desto geringer ist die mahlbare Menge, da sich die Mahlsteine erhitzen und ab einer bestimmten Temperatur das Öl aus den Saaten heraustritt. Sofern möglich, mahlt man Ölsaaten gemischt mit Getreide. Wer Ölsaaten aber pur mahlen will, ist mit einer Getreidemühle mit Stahlmahlwerk besser bedient. Solche Mühlen machen meist weniger Probleme und sind leichter zu reinigen.

Ölsaaten können nur bedingt mit einer Getreidemühle gemahlen werden. Ölsaaten nichts für Getreidemühlen mit Steinmahlwerk
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Gewürze, Nüsse:

Getreidemühlen sind keine Gewürzmühlen! Harte, ölarme Gewürze, Koriander, Kümmel oder Senf können mit einer Steinmühle gemahlen werden, größere Mengen jedoch nicht bei feinster Einstellung wegen der stärkeren Erhitzung. Weiche Blattgewürze, auch wenn sie getrocknet sind, können teilweise mit Stahlmahlwerk gemahlen werden, jedoch nach unseren Erfahrungen nicht zufriedenstellend. Wie bei Ölsaaten, können Nüsse bestenfalls gemischt mit Getreide gemahlen werden, aber nicht pur. Die Mahlsteine würden sofort zuschmieren, weil Nüsse sehr viel Öl enthalten.

Nüsse können nicht mit einer Getreidemühle gemahlen werden.Getreidemühlen können keine Nüsse mahlen.
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Glutenfrei:

Wozu Getreidemühlen "glutenfrei" eingemahlen? Gluten sind Getreidebestandteile, die Reaktionen bei Glutenallergien ( z.B. bei Zöliakie ) hervorrufen. Deshalb gibt es auch "glutenfrei" eingemahlene Getreidemühlen. Aus Kostengründen werden Getreidemühlen standardmäßig mit Weizen eingemahlen. Für Menschen, die keine Gluten vertragen, bieten die meisten Mühlenhersteller auch "glutenfrei" eingemahlene Getreidemühlen an. Diese werden mit Mais oder Reis eingemahlen. Ob "glutenfrei" oder "nicht glutenfrei" eingemahlen spielt für die weitere Verwendung der Getreidemühle qualitativ keine Rolle. Oder einfacher gesagt: "Glutenfrei" eingemahlene Getreidemühlen sind qualitativ nicht besser oder schlechter als normal eingemahlene Getreidemühlen.

Glutenfreie Haushaltsgetreidemühlen werden mit Reis oder Mais eingemahlen. Glutenfreie Getreidemühlen sind nicht besser.